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Umwelt & Exposom

Lichtverschmutzung / zirkadiane Disruption

ENLight pollution / circadian disruption

Geprüft von

Künstliches Licht bei Nacht (ALAN — Artificial Light at Night) — aus Straßenbeleuchtung, Bildschirmen und Innenraumbeleuchtung — unterdrückt die Melatoninsekretion über intrinsisch photosensitive retinale Ganglienzellen (ipRGC) mit dem Photorezeptor Melanopsin, die besonders empfindlich auf kurzwelliges (~480 nm) Blaulicht ansprechen, und verschiebt dadurch den nächtlichen Melatonin-Anstieg sowie die Phasenlage der zentralen zirkadianen Uhr im Nucleus suprachiasmaticus. Chronische zirkadiane Fehlausrichtung ist mit beeinträchtigter Immunfunktion, metabolischer Dysregulation, kardiovaskulärem Risiko und beschleunigtem epigenetischem Altern assoziiert. Epidemiologische Forschung von Erren und Kollegen sowie mehrere große Kohortenstudien haben Zusammenhänge zwischen ALAN-Exposition und erhöhter Brust- und Prostatakrebsinzidenz beschrieben, möglicherweise über Melatonin-vermittelte Effekte auf die Zellproliferation. Da die globale ALAN-Intensität durch Urbanisierung weiter zunimmt, gewinnt die biologische Wirkung der nächtlichen Lichtumgebung zunehmend öffentlich-gesundheitliche Bedeutung.

Quellen

  1. Blask DE, Brainard GC, Dauchy RT, Hanifin JP, Davidson LK, Krause JA, Sauer LA, Rivera-Bermudez MA, Dubocovich ML, Jasser SA, Lynch DT, Rollag MD, Zalatan F. (2005). Melatonin-depleted blood from premenopausal women exposed to light at night stimulates growth of human breast cancer xenografts in nude rats. *Cancer Research*doi:10.1158/0008-5472.CAN-05-1945