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Konzepte & Theorien

Multimorbidität

ENMultimorbidity

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Multimorbidität ist definiert als das gleichzeitige Vorliegen von zwei oder mehr chronischen Erkrankungen bei derselben Person, ohne eine primäre Erkrankung auszuzeichnen — eine Abgrenzung vom verwandten, aber personenzentrierten Konzept der Komorbidität. Ihre Prävalenz steigt steil mit dem Alter: Rund 50 % der über 65-Jährigen in Hocheinkommensländern leben mit drei oder mehr chronischen Erkrankungen. Multimorbidität ist stark mit Polypharmazie, Funktionseinbußen, verminderter Lebensqualität, höherer Inanspruchnahme des Gesundheitssystems und erhöhter Sterblichkeit assoziiert und stellt einzelerkrankungs-orientierte klinische Leitlinien in Frage, die häufig in Studien entwickelt wurden, welche multimorbide Patienten ausschlossen. In der Gerowissenschaft ist Multimorbidität sowohl ein zentrales Ergebnis des biologischen Alterns als auch eine wesentliche Motivation, vorgelagerte Alterungsprozesse statt einzelner Krankheiten sequenziell anzugehen.

Quellen

  1. Barnett K, Mercer SW, Norbury M, Watt G, Wyke S, Guthrie B. (2012). Epidemiology of multimorbidity and implications for health care, research, and medical education: a cross-sectional study. *Lancet*doi:10.1016/S0140-6736(12)60240-2