Zurück zum Glossar
Genetik

Polygener Risiko-Score (PRS)

ENPolygenic risk score (PRS)

Geprüft von

Ein polygener Risiko-Score (PRS) ist eine gewichtete Summe der Risikoallel-Dosierungen einer Person über viele mit einem Merkmal assoziierte SNPs, wobei die Gewichte typischerweise aus GWAS-Zusammenfassungsstatistiken abgeleitet werden — mittels Methoden wie LD-Pruning und Thresholding (P+T) oder Bayesianischer Regularisierung (LDpred, PRSice). Für häufige komplexe Erkrankungen — darunter koronare Herzkrankheit, Typ-2-Diabetes und Brustkrebs — identifiziert ein hoher PRS Personen mit einem Lebenszeitrisiko, das dem monogener Mutationsträger vergleichbar ist, was einen klinischen Nutzen für stratifizierte Prävention nahelegt. Die PRS-Leistung nimmt jedoch deutlich ab, wenn er auf Bevölkerungsgruppen außerhalb der Entdeckungskohorte angewendet wird, da GWAS-Kohorten überproportional europäisch waren und sich LD-Muster sowie Allelfrequenzen zwischen Populationen unterscheiden — was eine gerechte Anwendung einschränkt. Weitere Herausforderungen umfassen Kalibrierungsdrift über die Zeit, begrenzte Erfassung seltener Varianten und Gen-Umwelt-Interaktionen sowie konzeptionelle Fragen, ob PRS für Langlebigkeitsmerkmale angesichts ihrer zusammengesetzten und spät wirkenden Natur einen sinnvollen klinischen Endpunkt darstellt.

Quellen

  1. Khera AV, Chaffin M, Aragam KG, et al.. (2018). Genome-wide polygenic scores for common diseases identify individuals with risk equivalent to monogenic mutations. *Nature Genetics*doi:10.1038/s41588-018-0183-z
  2. Aragam KG, Natarajan P. (2020). Clinical utility of polygenic risk scores for coronary artery disease. *Nature Reviews Cardiology*doi:10.1038/s41569-021-00638-w