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Check-up 35: Was wird gemacht, welche Blutwerte fehlen und was sie dich kosten

Die Kassen-Gesundheitsuntersuchung ab 35 ist kostenlos, aber schmal. Was laut G-BA-Richtlinie wirklich drin ist, welche Longevity-Marker fehlen und was die Lücke als Selbstzahler kostet.

Kurz erklärt

Der Check-up 35 (Gesundheitsuntersuchung) ist ein kostenloser Gesundheitscheck beim Hausarzt, den die gesetzliche Kasse ab 35 alle drei Jahre zahlt, zwischen 18 und 34 einmal. Drin sind Anamnese, körperliche Untersuchung mit Blutdruck, Nüchternglukose und ein Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyzeride), ein Urin-Streifentest, der Impfcheck und eine Beratung. Ab 35 kommt einmalig ein Test auf Hepatitis B und C dazu. Für Longevity fehlen ApoB, Lp(a), HbA1c, Nüchterninsulin, hs-CRP, Ferritin sowie Nieren- und Leberwerte. Als Selbstzahler kosten sie zusammen rund 100 bis 200 Euro, Blutabnahme inklusive.

Aktualisiert am · 12 Min. Lesezeit

Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.

Was wird beim Check-up 35 gemacht und welche Blutwerte werden bestimmt?

Der Check-up 35 heißt offiziell Gesundheitsuntersuchung. Was genau drin ist, entscheidet nicht deine Praxis. Das regelt die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) [1]. Der G-BA legt fest, was die gesetzlichen Kassen bezahlen. Die Richtlinie nennt fünf Bausteine.

1. Anamnese (deine Vorgeschichte). Deine Ärztin fragt nach deiner eigenen Krankengeschichte, nach der deiner Familie und nach deinem Alltag. Daraus ergibt sich dein Risikoprofil: Vorerkrankungen, Herzinfarkte oder Krebs in der Familie, Rauchen, Alkohol, Bewegung, Stress.

2. Klinische Untersuchung. Ein Ganzkörperstatus: Herz und Lunge abhören, Bauch abtasten, Haut, Sinnesorgane, Bewegungsapparat, Nervensystem, dazu Gewicht, Größe und Blutdruck.

3. Labor. Ab 35 zwei Dinge aus dem Blut und eines aus dem Urin. Blut: ein vollständiges Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyzeride) und die Nüchternplasmaglukose (dein Blutzucker ohne Frühstück). Urin: ein Streifentest auf Eiweiß, Zucker, rote und weiße Blutkörperchen sowie Nitrit (ein Hinweis auf Bakterien). Das vollständige Lipidprofil ist seit April 2019 drin, davor gab es nur das Gesamtcholesterin.

4. Impfstatus. Ein Blick in den Impfpass mit Empfehlung zum Nachimpfen.

5. Beratung. Deine Ärztin bespricht die Befunde mit dir, spricht dein kardiovaskuläres Risiko an und soll dich auf Präventionsangebote und die Krebsfrüherkennung hinweisen.

Extra: Ultraschall der Bauchschlagader (nur Männer ab 65). Einmalig ein Ultraschall-Screening auf ein Bauchaortenaneurysma, also eine Aussackung der Hauptschlagader im Bauch. Es steht seit der Neufassung 2019 als eigenes Screening in derselben Richtlinie, du bekommst es also auch ohne Check-up [1].

Ein Extra gehört direkt zum Check-up: Seit Oktober 2021 hast du ab 35 einmalig Anspruch auf einen Test auf Hepatitis B und C aus derselben Blutprobe [1, 2]. Ein anderes läuft separat, wird aber oft am selben Tag gemacht: Das Hautkrebs-Screening ab 35 alle zwei Jahre gehört zur Krebsfrüherkennungs-Richtlinie, nicht zum Check-up selbst [3].

Genauso wichtig ist, was nicht drin ist. Kein Blutbild, kein EKG (nur bei Auffälligkeiten), kein Ultraschall außer dem Aorten-Screening für Männer ab 65, keine Leber-, Nieren- oder Schilddrüsenwerte, kein HbA1c, kein Vitamin D. Und unter 35 wird Blut nur abgenommen, wenn ein Risikoprofil vorliegt, zum Beispiel Adipositas, Bluthochdruck oder eine belastete Familienanamnese. Der Urintest fehlt unter 35 ganz.

Wie oft bekommst du den Check-up 35 und was kostet er?

Ab dem 35. Geburtstag alle drei Jahre. Zwischen 18 und 34 einmal. In der Sprache der Richtlinie: einmalig ab Vollendung des 18. Lebensjahres bis zum Ende des 35. Lebensjahres, danach alle drei Jahre ab Vollendung des 35. Lebensjahres [1]. Dein 35. Lebensjahr endet an deinem 35. Geburtstag. Bis 2018 war der Rhythmus zwei Jahre, seit der Reform sind es drei. Gezählt wird nach Kalenderjahren. Nach einem Check-up fallen die zwei folgenden Kalenderjahre aus. Warst du im März 2024 dran, hast du ab dem 1. Januar 2027 wieder Anspruch [1].

Kosten: für gesetzlich Versicherte nichts. Der Check-up läuft über die Versichertenkarte, ohne Zuzahlung. Auch das Hepatitis-Screening und das Hautkrebs-Screening sind Kassenleistung. Viele Kassen belohnen die Teilnahme sogar über ihr Bonusprogramm.

Privat versichert? Dann rechnet die Praxis nach GOÄ ab und du reichst die Rechnung ein. Die meisten Tarife übernehmen Vorsorgeuntersuchungen, oft sogar häufiger als alle drei Jahre. Schau in deinen Tarif.

Ein Hinweis, damit du die Rechnung richtig liest: Kostenlos ist nur der Katalog aus der Richtlinie. Alles, was du zusätzlich haben willst, also ApoB, HbA1c, Ferritin oder ein großes Blutbild, ist eine IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung) und wird dir privat berechnet. Genau darum geht es im Rest dieses Guides.

Bringt der Check-up 35 überhaupt etwas? Was die Cochrane-Analyse zeigt

Als Ritual: nicht nachweisbar. Die Cochrane-Analyse 2019 hat 17 randomisierte Studien mit über 250.000 Erwachsenen zusammengerechnet, in denen Menschen mit allgemeinem Gesundheitscheck mit Menschen ohne Check verglichen wurden. Ergebnis: kein Effekt auf die Gesamtsterblichkeit, keiner auf die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit, keiner auf die Krebssterblichkeit [4]. Die Checks fanden mehr Bluthochdruck und mehr Fettstoffwechselstörungen und führten zu mehr Behandlungen. Weniger Todesfälle gab es trotzdem nicht.

Bevor du den Termin absagst, zwei Einordnungen. Erstens sind viele der Studien alt. Sie starteten zwischen 1963 und 1999, die frühen noch vor Statinen und heutiger Blutdrucktherapie. Zweitens haben die Studien Menschen eingeladen, die zum Teil ohnehin regelmäßig zum Arzt gingen. Das drückt den messbaren Unterschied.

Die eigentliche Lehre ist eine andere: Nicht der Check bringt etwas, sondern das, was du mit einzelnen Werten machst. Ein erhöhter Blutdruck, der behandelt wird. Ein Prädiabetes, den du früh drehst. Ein LDL, das hoch bleibt, obwohl du gesund lebst. Der Nutzen steckt im Marker, nicht im Termin.

Daraus folgt für Longevity ein Problem. Die Kassen-Blutwerte sind auf Diabetes und klassisch erhöhte Blutfette (Hyperlipidämie) zugeschnitten. Blind ist das Panel für das, was du früh sehen willst: Insulinresistenz, stille Entzündung, genetisches Lp(a)-Risiko oder die Partikelzahl hinter deinem LDL. Ein unauffälliger Check-up heißt deshalb nicht, dass alles gut ist. Er heißt nur, dass die fünf gemessenen Blutwerte und der Urinstreifen unauffällig sind.

Welche Blutwerte fehlen beim Check-up 35? Die Liste mit Selbstzahler-Preisen

Das Kassenpanel misst Nüchternglukose und vier Lipidwerte. Für ein vollständiges Bild deines Risikos für Herz und Stoffwechsel fehlen die folgenden Werte. Die Preise sind typische Selbstzahler-Spannen in Deutschland. Sie hängen vom Labor ab und vom GOÄ-Faktor, dem Multiplikator auf die amtliche Gebührenordnung. Bei Laborleistungen liegt er meist bei 1,15. Rechne pro Blutabnahme zusätzlich mit rund 10 bis 20 Euro für Abnahme, Material und Versand.

Wert Was er dir sagt Typischer Selbstzahler-Preis
ApoB Zählt die gefäßschädigenden Partikel statt nur ihr Cholesterin. ESC/EAS-Leitlinie: Klasse-I-Empfehlung (die stärkste Stufe) bei hohen Triglyzeriden, Diabetes, Adipositas, metabolischem Syndrom [5] 10 bis 25 Euro
Lp(a) Genetisches Herz-Kreislauf-Risiko, zu über 90 Prozent vererbt. EAS-Konsens: mindestens einmal als Erwachsener messen [6] 20 bis 40 Euro
HbA1c Blutzucker-Schnitt der letzten drei Monate, zeigt Prädiabetes auch bei normaler Nüchternglukose 13 bis 20 Euro
Nüchterninsulin (HOMA-IR) Insulinresistenz, oft Jahre bevor die Nüchternglukose steil ansteigt [7, 12] 15 bis 25 Euro
hs-CRP Stille Entzündung. Sagte in der Women's Health Study Herzereignisse besser voraus als das LDL-Cholesterin [8] 13 bis 25 Euro
Ferritin Eisenspeicher, zeigt Mangel und Überladung 15 bis 25 Euro
Homocystein B-Vitamin-Status, Aussagekraft fürs Herz begrenzt (siehe nächster Abschnitt) 30 bis 45 Euro
Vitamin D (25-OH) Versorgung, Nutzen einer Routinemessung umstritten (siehe nächster Abschnitt) 30 bis 45 Euro
Kreatinin mit eGFR Nierenfunktion (eGFR, eine Schätzung, wie gut deine Nieren filtern), wichtig vor jeder Medikation und bei Bluthochdruck 3 bis 10 Euro
ALT (GPT) und GGT Leberenzyme, erster Hinweis auf eine Fettleber 5 bis 10 Euro

Zwei Dinge fallen auf. Die günstigsten Werte der Liste, Nierenfunktion und Leberwerte, kosten zusammen 8 bis 20 Euro und fehlen trotzdem. Und die teuersten, Homocystein und Vitamin D, sind ausgerechnet die mit der dünnsten Evidenz.

Wie du die einzelnen Werte liest, erklärt der Guide zu den 8 Longevity-Biomarkern. Was hinter ApoB und Lp(a) steckt und wann die Kasse sie doch zahlt, steht im ApoB- und Lp(a)-Guide. Aus Nüchternglukose und Nüchterninsulin rechnet dir der HOMA-IR-Rechner den Index aus.

Ein Hinweis zur Kasse: Liegt eine Indikation vor, übernimmt sie einzelne Werte auch außerhalb des Check-ups. HbA1c bei auffälliger Glukose, Kreatinin bei Bluthochdruck, Ferritin bei Verdacht auf Eisenmangel. Das entscheidet deine Ärztin nach Befund, nicht nach Wunsch.

Homocystein senken, Vitamin D, Nüchterninsulin: Wo die Evidenz dünn wird

Drei Werte aus der Liste solltest du kritisch prüfen, bevor du sie bezahlst.

Homocystein (eine Aminosäure im Blut, die bei B-Vitamin-Mangel steigt). Senken ist einfach. In einer Meta-Analyse von 25 randomisierten Studien senkten 0,8 mg Folsäure am Tag den Homocysteinspiegel um rund 23 Prozent. Vitamin B12 brachte mit rund 0,4 mg am Tag weitere 7 Prozent, Vitamin B6 keinen messbaren Zusatz [9]. Das Problem ist, was danach passiert: nichts. Die Cochrane-Analyse 2017 hat 15 Studien mit rund 71.000 Teilnehmenden ausgewertet. Homocystein zu senken verhinderte keine Herzinfarkte und keine Todesfälle, nur das Schlaganfallrisiko sank leicht [10]. Ein Marker, den du billig bewegen kannst, ohne dass sich das Ergebnis nachweisbar ändert. Sinnvoll ist die Messung, wenn ein B12-Mangel im Raum steht: bei veganer Ernährung, unter Metformin oder Säureblockern, bei unklaren Nervenbeschwerden. Als Routine-Herzmarker für 30 bis 45 Euro eher nicht.

Vitamin D. Die VITAL-Studie hat 25.871 Erwachsene in den USA (Männer ab 50, Frauen ab 55) rund fünf Jahre lang mit 2.000 IE Vitamin D3 am Tag oder Placebo versorgt. Weder Krebs noch Herz-Kreislauf-Ereignisse wurden seltener [11]. Das heißt nicht, dass ein Mangel egal ist. Es heißt, dass die Routinemessung bei Gesunden mit normaler Sonnenexposition wenig Konsequenz hat. Bei wenig Sonne, dunkler Haut, höherem Alter, Osteoporose oder Malabsorption (dein Darm nimmt Nährstoffe schlecht auf) sieht das anders aus. Das ist ein Gespräch mit deiner Ärztin, kein Standardhäkchen.

Nüchterninsulin. Hier ist es umgekehrt: günstig, aussagekräftig, aber nicht auf dem Kassenzettel. Aus Nüchternglukose und Nüchterninsulin ergibt sich der HOMA-IR, ein Index für Insulinresistenz, der 1985 von Matthews und Kollegen beschrieben wurde [7]. In der Whitehall-II-Studie sank die Insulinsensitivität schon in den fünf Jahren vor der Diabetes-Diagnose steil, die Nüchternglukose stieg lange nur langsam und erst in den letzten drei Jahren steil an [12]. Zwei Einschränkungen: Labore messen Insulin mit unterschiedlichen Testverfahren, die Werte sind deshalb nicht perfekt vergleichbar. Außerdem musst du wirklich nüchtern sein, 8 bis 12 Stunden. Den Index rechnet dir der HOMA-IR-Rechner aus. Was er bedeutet, besprichst du mit deiner Ärztin, nicht mit einer Tabelle aus dem Internet.

Kann ich die fehlenden Werte beim Hausarzt dazubuchen?

Ja. Das ist sogar der einfachste Weg. Beim Check-up wird dir ohnehin Blut abgenommen. Du sagst vorher, welche Werte du zusätzlich willst. Die Praxis schickt die Röhrchen mit einem zweiten Auftrag ans Labor und rechnet die Extras privat nach GOÄ ab. Vorher musst du eine schriftliche IGeL-Vereinbarung unterschreiben, das ist Pflicht und schützt dich vor Überraschungen auf der Rechnung. Frag nach dem Preis, bevor du unterschreibst.

Manche Praxen winken ab, weil ihnen die Abrechnung zu umständlich ist oder weil sie den Nutzen anders einschätzen. Das ist kein Fehler deiner Ärztin, sie folgt dem Katalog. In dem Fall bleibt der zweite Weg: ein Selbstzahler-Labor oder ein Online-Anbieter, der deine Probe an dieselben Großlabore schickt. Wie das läuft und was die Anbieter kosten, steht im Selbstzahler-Guide.

Es gibt noch einen dritten Weg, der oft übersehen wird: die Indikation. Deine Ärztin kann ApoB, Lp(a) oder HbA1c auf Kassenkosten anfordern, wenn es einen Grund gibt: eine belastete Familienanamnese (Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Eltern oder Geschwistern vor 60), hohe Triglyzeride, Adipositas oder Diabetes. Eine dokumentierte Familienanamnese ist das stärkste Argument, das du mitbringen kannst.

Damit die Werte etwas taugen, vier Dinge:

  • Komm 8 bis 12 Stunden nüchtern, Wasser ist erlaubt. Glukose, Insulin und Triglyzeride hängen davon ab.
  • Nicht während eines Infekts oder direkt nach einer Impfung messen. hs-CRP, Ferritin und Lp(a) steigen dann vorübergehend.
  • Bitte um Lp(a) in nmol/L und um ApoB als eigenen Posten, nicht als Teil eines Pakets, das du nicht brauchst.
  • Nimm den Befund mit nach Hause. Die Werte gehören dir. Du brauchst sie für den Vergleich beim nächsten Mal.

Lohnt sich das? Die Rechnung und ein ehrliches Fazit

Vorweg: Die sinnvollen Extras kosten rund 100 bis 200 Euro. Das ist ein Bruchteil eines Klinikpakets. Hier die Rechnung. Die komplette Liste aus dem Abschnitt oben, alle zehn Werte plus Abnahme und Versand, landet je nach Labor bei grob 150 bis 300 Euro. Lässt du Homocystein und Vitamin D weg, was nach der Evidenzlage vertretbar ist, sparst du 60 bis 90 Euro und liegst bei rund 100 bis 200 Euro. Und weil Lp(a) meist nur einmal gemessen werden muss, wird jede weitere Runde noch günstiger.

Zum Vergleich: Longevity-Kliniken in Deutschland verkaufen Einstiegspakete ohne Bildgebung ab etwa 1.500 bis 2.500 Euro, mit Ganzkörper-MRT und Omics (Analysen von Genen und Molekülen im großen Stil) geht es bis 20.000 Euro. Der Blutanteil dieser Pakete läuft in vielen Fällen über dieselben Großlabore, die auch deine Hausarztpraxis nutzt. Der kostenlose Check-up plus 100 bis 200 Euro an IGeL-Werten liefert dir den größten Teil der Blutinformation für einen Bruchteil des Preises. Was du nicht bekommst, ist die Bildgebung, die Beratungszeit und das schöne PDF.

Wann es sich lohnt: beim ersten Mal ab Mitte 30, um einen Ausgangswert zu haben. Bei Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Familie. Bei Bauchfett, hohen Triglyzeriden oder einem HbA1c an der Grenze. Und Lp(a) mindestens einmal für jeden, wie der EAS-Konsens es empfiehlt [6].

Wann du es lassen kannst: wenn du die Werte innerhalb der letzten ein bis zwei Jahre schon hattest, denn die meisten bewegen sich langsam. Wenn du unter 35 bist und keine Risikofaktoren hast, reicht der einmalige Kassen-Check plus vielleicht Lp(a). Und wenn du niemanden hast, mit dem du das Ergebnis besprechen kannst. Ein Wert, auf den niemand reagiert, ist Information mit Stresspotenzial, sonst nichts.

Dieser Guide beschreibt, was der Check-up misst und was er auslässt. Was deine Werte für dich bedeuten und ob du etwas ändern solltest, entscheidest du mit deiner Ärztin.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft bekomme ich den Check-up 35?

Ab dem 35. Geburtstag alle drei Jahre, zwischen 18 und 34 einmal. So legt es die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie des G-BA fest [1]. Gezählt wird nach Kalenderjahren: Nach einem Check-up fallen die zwei folgenden Kalenderjahre aus. Das Hautkrebs-Screening gibt es ab 35 alle zwei Jahre, das Hepatitis-B- und -C-Screening einmalig ab 35.

Was wird beim Check-up unter 35 gemacht?

Zwischen 18 und 34 hast du einmal Anspruch, kostenlos. Drin sind Anamnese, körperliche Untersuchung mit Blutdruck, ein Blick in den Impfpass und die Beratung [1]. Blut für Lipidprofil und Nüchternglukose wird nur abgenommen, wenn ein Risikoprofil vorliegt, etwa Adipositas, Bluthochdruck oder eine belastete Familienanamnese. Urintest und Hepatitis-B- und -C-Screening gibt es erst ab 35 [1, 2].

Was kostet der Check-up 35?

Für gesetzlich Versicherte nichts. Der Check-up läuft über die Versichertenkarte, ohne Zuzahlung. Kosten entstehen nur, wenn du zusätzliche Werte als IGeL dazubuchst, zum Beispiel ApoB, HbA1c oder Ferritin. Privatversicherte reichen die GOÄ-Rechnung bei ihrer Versicherung ein.

Welche Blutwerte fehlen beim Check-up 35?

Der Check-up misst nur Nüchternglukose und das Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyzeride). Für Longevity fehlen ApoB, Lp(a), HbA1c, Nüchterninsulin (HOMA-IR), hs-CRP, Ferritin, Kreatinin mit eGFR sowie die Leberwerte ALT und GGT. Auch ein Blutbild, Schilddrüsenwerte und Vitamin D sind nicht drin.

Ist beim Check-up 35 ein Blutbild oder die Schilddrüse dabei?

Nein. Weder ein kleines noch ein großes Blutbild ist drin, auch kein TSH für die Schilddrüse. Im Blut sieht die Richtlinie nur Nüchternglukose und das Lipidprofil vor [1]. Gibt es einen Anlass, etwa Müdigkeit, Blässe, Verdacht auf Eisenmangel oder Schilddrüsenbeschwerden, kann deine Ärztin die Werte auf Kassenkosten anordnen. Ohne Anlass kannst du sie bei der Check-up-Blutabnahme als IGeL dazubuchen.

Gehört ein EKG oder Ultraschall zum Check-up 35?

Ein EKG nicht. Deine Ärztin macht es nur, wenn Beschwerden oder Befunde dafür sprechen. Dann zahlt die Kasse es als eigene Leistung. Ultraschall auch nicht. Dieselbe Richtlinie gibt Männern ab 65 einen eigenen, einmaligen Anspruch auf ein Ultraschall-Screening der Bauchschlagader auf ein Aneurysma, eine gefährliche Aussackung [1]. Ultraschall von Bauch, Schilddrüse oder Herz ist sonst nicht drin.

Was kostet Nüchterninsulin als Selbstzahler?

Typischerweise 15 bis 25 Euro je nach Labor und GOÄ-Faktor, plus rund 10 bis 20 Euro für Abnahme und Versand, wenn du nur diesen Wert bestellst. Zusammen mit der Nüchternglukose aus dem Check-up ergibt sich daraus der HOMA-IR, den dir unser Rechner ausgibt [7]. Du musst dafür 8 bis 12 Stunden nüchtern sein.

Wie kann ich Homocystein senken?

Mit B-Vitaminen. 0,8 mg Folsäure am Tag senken den Wert um rund 23 Prozent. Vitamin B12 bringt weitere 7 Prozent, B6 keinen messbaren Zusatz [9]. Der Haken: In der Cochrane-Analyse 2017 mit rund 71.000 Teilnehmenden verhinderte das Senken keine Herzinfarkte und keine Todesfälle. Nur Schlaganfälle wurden leicht seltener [10]. Ob eine Supplementierung für dich sinnvoll ist, klärst du mit deiner Ärztin, besonders wenn ein B12-Mangel im Raum steht.

Kann ich die fehlenden Werte beim Hausarzt dazubuchen?

Ja. Du sagst vor der Blutabnahme, welche Werte du zusätzlich willst, unterschreibst eine schriftliche IGeL-Vereinbarung und bekommst die Extras privat nach GOÄ berechnet. Lehnt die Praxis ab, kannst du ein Selbstzahler-Labor oder einen Online-Anbieter nutzen, der die Probe an dieselben Großlabore schickt. Bei Indikation, etwa einer belasteten Familienanamnese, kann die Kasse einzelne Werte übernehmen.

Ab welchem Alter lohnen sich ApoB und Lp(a)?

Lp(a) ist zu über 90 Prozent genetisch festgelegt. Es erreicht schon in der Kindheit Erwachsenenwerte und ändert sich danach kaum, bei Frauen steigt es in den Wechseljahren oft an. Der EAS-Konsens 2022 empfiehlt deshalb, es bei jedem Erwachsenen mindestens einmal zu messen, das Alter spielt kaum eine Rolle [6]. ApoB lohnt sich, sobald ein Risikoprofil vorliegt: hohe Triglyzeride, Bauchfett, Diabetes, metabolisches Syndrom oder eine belastete Familienanamnese [5]. Ohne Risikofaktoren ist der erste Check-up mit 35 ein guter Zeitpunkt für einen Ausgangswert.

Muss ich zum Check-up 35 nüchtern kommen? Darf ich Kaffee trinken?

Die Richtlinie sieht die Nüchternplasmaglukose vor, also ja, ideal sind 8 bis 12 Stunden ohne Essen, Wasser ist erlaubt [1]. Manche Praxen messen trotzdem nicht nüchtern. Wenn du Nüchterninsulin oder Triglyzeride dazubuchst, ist nüchtern Pflicht, sonst sind die Werte nicht verwertbar. Frag beim Terminmachen nach. Nüchtern heißt nur Wasser. Kaffee mit Milch oder Zucker liefert Kalorien und verfälscht Glukose und Triglyzeride. Auch den schwarzen Kaffee trinkst du besser erst nach der Blutabnahme. Nimmst du Medikamente, frag vorher in der Praxis, ob du sie wie gewohnt nehmen sollst.

Quellen

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss. (2020). Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten (Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie). Gemeinsamer Bundesausschuss
  2. Gemeinsamer Bundesausschuss, Pressemitteilung vom 20. November 2020. (2020). Screening auf Hepatitis B und C neuer Bestandteil des Gesundheits-Check-ups. Gemeinsamer Bundesausschuss
  3. Gemeinsamer Bundesausschuss. (2025). Richtlinie über die Früherkennung von Krebserkrankungen (Krebsfrüherkennungs-Richtlinie, KFE-RL). Gemeinsamer Bundesausschuss
  4. Krogsbøll LT, Jørgensen KJ, Gøtzsche PC. (2019). General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease. Cochrane Database of Systematic Reviewsdoi:10.1002/14651858.CD009009.pub3
  5. Mach F, Baigent C, Catapano AL, Koskinas KC, Casula M, Badimon L, et al.; ESC Scientific Document Group. (2020). 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehz455
  6. Kronenberg F, Mora S, Stroes ESG, Ference BA, Arsenault BJ, Berglund L, et al.. (2022). Lipoprotein(a) in atherosclerotic cardiovascular disease and aortic stenosis: a European Atherosclerosis Society consensus statement. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehac361
  7. Matthews DR, Hosker JP, Rudenski AS, Naylor BA, Treacher DF, Turner RC. (1985). Homeostasis model assessment: insulin resistance and beta-cell function from fasting plasma glucose and insulin concentrations in man. Diabetologiadoi:10.1007/BF00280883
  8. Ridker PM, Rifai N, Rose L, Buring JE, Cook NR. (2002). Comparison of C-reactive protein and low-density lipoprotein cholesterol levels in the prediction of first cardiovascular events. New England Journal of Medicinedoi:10.1056/NEJMoa021993
  9. Homocysteine Lowering Trialists' Collaboration. (2005). Dose-dependent effects of folic acid on blood concentrations of homocysteine: a meta-analysis of the randomized trials. American Journal of Clinical Nutritiondoi:10.1093/ajcn/82.4.806
  10. Martí-Carvajal AJ, Solà I, Lathyris D, Dayer M. (2017). Homocysteine-lowering interventions for preventing cardiovascular events. Cochrane Database of Systematic Reviewsdoi:10.1002/14651858.CD006612.pub5
  11. Manson JE, Cook NR, Lee IM, Christen W, Bassuk SS, Mora S, et al.; VITAL Research Group. (2019). Vitamin D supplements and prevention of cancer and cardiovascular disease. New England Journal of Medicinedoi:10.1056/NEJMoa1809944
  12. Tabák AG, Jokela M, Akbaraly TN, Brunner EJ, Kivimäki M, Witte DR. (2009). Trajectories of glycaemia, insulin sensitivity, and insulin secretion before diagnosis of type 2 diabetes: an analysis from the Whitehall II study. The Lancetdoi:10.1016/S0140-6736(09)60619-X

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Erstellt von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities

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